Diese Seite habe ich am 27.11.2009 neu eingestellt. Den Gedanken dazu hatte ich schon lange, ich traute mich dazu aber nicht so richtig. Ich wollte nicht zu aggressiv wirken und Niemandem "weh tun" oder "bloß stellen". Nach vielen Gesprächen mit Gleichgesinnten und in meiner heutigen recht stabilen Verfassung bin ich jedoch zu einem anderen Schluss gekommen. Ihr habt alle das Recht zu erfahren, wie Leute, die uns eigentlich Hilfestellungen geben sollten oder auch zur Fürsorge verpflichtet sind, mit diesem Thema umgehen, wenn ein Einzelner sie anschreibt. Sie wird Briefe etc. und Antworten (wenn den welche kommen) enthalten.
Ich möchte sie mit einer E-Mail und einem angehängten Brief beginnen, die ich bereits am 07.09.2008 an alle Gewerkschaften gerichtet hatte, die Bundes- und Landespolizeibedienstete "vertreten". Ich muss leider dazu sagen, ich erhielt bis heute nicht einmal eine einzige Eingangsbestätigung.
E-Mail:
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, mein Name ist Jürgen Lanuschny. Ich war bis zum 30.10.2007 Angehöriger des PP Karlsruhe.
Ich weiß nicht, ob ich bei Ihnen an der richtigen Stelle herauskomme und bitte Sie deshalb schon im Voraus, mein Anliegen, sollte ich bei Ihnen falsch sein, an die jeweils zuständige Stelle weiterzuleiten.
Mobbing ist leider auch zunehmend ein Thema bei der Polizei geworden. Als ich in der Situation war, fühlte ich mich sehr alleine gelassen. Alle bestimmt oft gut gemeinten Angebote der Dienststelle helfen da nichts. Man ist in einer Situation, in der man kaum noch jemandem Glauben schenken will. In wenigen Fällen kennt man die Leute auch, die plötzlich helfend zur Seite stehen wollen und man weiß, dass diese Person mit die letzte wäre, der man sich anvertrauen würde.
Man ist sehr einsam und die gefühlte Einsamkeit macht einen noch kranker.
Ich wäre damals froh gewesen, hätte ich jemanden gefunden, mit dem ich mich hätte offen austauschen können, eine oder einen Gleichgesinnten vielleicht. Jemanden, der einem sagen kann, dem oder jener könne man vertrauen. Es gab aber Niemanden.
Nun bin ich wieder soweit gesund und möchte anderen Kollegen bei der Polizei helfen, sich via Internet zu finden um sich dann außerhalb des Netzes auszutauschen und möglichst zu helfen.
Aus meiner Erfahrung heraus weiß ich, eine außenstehende private Initiative sucht man als ersten Anlaufpunkt eher aus, als Leute, denen man, zu Unrecht oder auch zu Recht, nicht vertraut.
Ob ich es überhaupt stemmen kann, so eine Selbsthilfegruppe bundesweit zu gründen, weiß ich heute noch nicht. Sinnvoller wäre es, das landes- oder gar regierungsbezirksweit aufzuziehen. Vielleicht kommen durch diesen Blog aber auch noch andere Kollegen auf die Idee, Gleiches oder Ähnliches zu tun. Wenn aber keiner damit anfängt, passiert wieder nichts. Also gut, ich will es versuchen.
Ich bitte Sie, meinen angehängten Brief in Ihren Gewerkschaftsnachrichten zu veröffentlichen. Aus ihm und meiner Homepage www.juergen-lanuschny.de können Sie herauslesen, dass ich keinen Zoff verbreiten und auch Niemanden an einen Pranger stellen will. Ich bin mir bewusst, dass auch Außenstehende den Blog lesen können und ich beabsichtige wahrlich nicht, den Blog zur Belustigung unserer „Kundschaft“ zu betreiben.
Ich hoffe, Sie sehen meine dahinter steckenden redlichen Absichten, nur betroffenen Kolleginnen und Kollegen eine kleine Hilfestellung zu leisten und sie direkt zusammen zu bringen.
Mit freundlichen und kollegialen Grüßen, Jürgen Lanuschny
PS.: Sollten Sie bereit sein, meinen Brief zu veröffentlichen, werde ich mich natürlich vorher bei Ihnen legitimieren. Da könnte ja sonst jeder kommen, oder?
Brief:
Liebe Kolleginnen und Kollegen, mein Name ist Jürgen Lanuschny, ich bin 1951 geboren und war bis zu meiner Frühpensionierung zum 01.11.2007 als KHK ohne Fachhochschulreife Angehöriger des Dezernats Bandenkriminalität bei der Kripo in Karlsruhe. Insbesondere in den Jahren 2005 bis 2007 war ich auf meiner Dienststelle Situationen ausgesetzt, die man ohne zu übertreiben Mobbing nennen kann. Die direkten Folgen waren u. a. psychische Probleme und übermäßiger Alkoholkonsum. Die darauf in 2007 entstandenen indirekten Folgen waren mehrere Krankenhausaufenthalte, später dann ein äußerst lebensbedrohlicher Zustand und zuletzt eine schwere Operation. Heute fühle ich mich wieder soweit fit, psychisch aber auch physisch. Da ich die aus Mobbing entstandene Einsamkeit und ihre Folgen selbst erlebt habe –jede Suche nach fachspezifischer Hilfe bei und nach Gleichgesinnten aus der Polizei, war mehr oder weniger erfolglos-, habe ich jetzt einen Blog im Internet eingerichtet, eine „Selbsthilfegruppe – Mobbing bei der Polizei“. Ich hoffe, dass im Laufe der Zeit noch einige Spezialisten, auch aus Recht und Medizin, mit auf das Boot aufspringen, sodass ich auf der Seite zukünftig auch auf Fachleute hinweisen werde können. Hauptsächlich soll es sich jedoch um einen Blog handeln, in dem sich Betroffene austauschen und Gleichgesinnte suchen und hoffentlich finden werden, frei nach dem Motto „geteiltes Leid ist halbes Leid“.
Wir wissen alle, dass es auch Leute und Institutionen bei den Polizeidienststellen der Länder und des Bundes gibt, die Hilfe leisten sollen und wohl oft auch wollen. Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, dass man in einer solchen Situation gerne dazu neigt, bald keinem mehr zu trauen. Ich weiß aber auch, dass es wirklich gute und vertrauenswürdige Leute darunter gibt. Oft kennt oder erkennt man sie in einer solchen Phase nicht. Der Austausch unter ehemaligen und aktuellen Mobbingbetroffenen kann auch hier hilfreich sein. Ihr könnt die Namen der Personen über so einen Blog austauschen. Egal ob über Beratungsstellen, Krisen- und Interventionsteam-Angehörige, Vorgesetzte oder Fachleute aus Recht und Medizin, über den Blog könnt ihr auch eure Tipps und guten Erfahrungen weitergeben. In dem Blog herrschen jedoch Regeln, die unbedingt einzuhalten sind. Er darf nicht dazu dienen, schmutzige Wäsche zu waschen oder Leute an den Pranger zu stellen. Der eingangs erwähnte Austausch von Namen oder Einzelheiten zu eurer jeweiligen Situation darf nicht im Blog, sondern nur in anschließenden persönlichen Kontakten unter uns/euch statt finden. Schaut einfach mal rein, dort ist alles näher beschrieben. Mit kollegialen Grüßen, Jürgen Lanuschny
Leserbrief vom 14.01.2010 zu einer Sendung des HR 3:
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich biete seit knapp 1 1/2 Jahren o. g. Selbsthilfegruppe unter www.juergen-lanuschny.de im Netzt an. Ich, selbst Mobbingopfer gewesen, habe bundesweit Kontakte zu Polizistinnen und Polizisten, auch teilweise zu den von Ihnen erwähnten Mobbingopfern der Hessenpolizei.
Die "Geschichten" fast aller dieser bundesweiten Kontakte sind sehr ähnlich. Ich erlebe ständig, dass mir Kolleginnen und Kollegen schreiben bzw. sagen, beim Lesen meiner Geschichte hätten sie das Gefühl gehabt, ihre eigene gelesen zu haben.
Mobbing bei der Polizei ist ein sehr spezifisches Problem, denn es muss immer genau unterschieden werden, ob jemand nur Anordnungen widerspricht die Erforderlich waren oder ob es sich um konstruktive Kritik an Anordnungen oder Verfügungen handelt. Auch das Problem der Geheimhaltungspflicht ist hierbei sehr zu beachten, denn sie hindert Mobbingopfer oft daran, Sachverhalte offen zu schildern. Außerdem wird keine echte Schutzfrau/kein echter Schutzmann Interesse daran zu haben, unseren Gegenübern aus dem Alltag etwas über Probleme in unseren eigen Reihen zu deren Belustigung zu liefern.
Noch größer aber ist die Angst vor dem „System Polizei“. Ich will damit nicht sagen, dass Mobbing systematisch von der Polizeiführung gefördert oder gar gefordert wird. Es ist ein hierarchisches System eines Sicherheitsorgans, in dem ein gewisser „Gehorsam“ auch von Nöten ist. Leider glauben jedoch noch zu viele „Polizeiführer“, dass dieser nötige Gehorsam „unbedingt“ zu sein hat und glauben damit, sogar in schlimmen Fällen auch Menschenrechtsverletzungen an Untergebenen rechtfertigen zu können. Da greift das „System Polizei“ dann wieder, das man auf den einfachen Nenner „eine Krähe hackt der Anderen kein Auge aus“ bringen könnte. Also ein Vorgesetzter schützt den Anderen. Der kleine gemobbte Beamte fällt dann zwangsläufig durch das Sieb einer gerechten Beurteilung und Behandlung.
Mir erzählen immer wieder Kollegen davon, wie sie fast verzweifeln. Leider halten das nur wenige aus und werden dabei teilweise schwer krank und einige begehen dann letztendlich sogar Suizid. Als Schutzmann entwickelt man im Laufe der Jahre ein, wie ich es immer nenne, „gesundes Rechtempfinden“. Man bekommt ein Gespür dafür, was ist Recht und was ist Unrecht. Man selbst versucht sein Lebe lang, sich selbst an das Gefühl Recht zu halten und nicht Unrechtes zu tun. Wenn sie nun selbst zu Opfern werden, in dem Fall zu Mobbingopfern, stellen sie plötzlich fest, ihre Vorgesetzten halten sich in keinster Weise an Recht. Fürsorgeplicht, eine besonders hoch anzusiedelnde Pflicht bei Polizeiführern, scheint es plötzlich nicht mehr zu geben. Die Vorgesetzten unterstützen sich gegenseitig und so sind Beschwerden bei den nächst höheren Vorgesetzten oft sinnlos. Die Vorgesetzten müssen sich selbst nach oben absichern und es würde ja ihre Führungsfähigkeiten anzweifeln lassen, wenn es in ihren Reihen so etwas wie Mobbing gäbe. Durchs Sieb fällt die kleine/der kleine engagierte Schutzfrau/mann.
Durch Strukturveränderungen bei den Polizeien der Länder in den letzten Jahren wurde die Konkurrenz unter Kollegen immer und immer größer. Polizeiführer bevorzugen eine bestimmte Gruppe und die Angehörigen der anderen Gruppen, die sich zur Wehr setzten, werden „niedergebügelt“. Dadurch hat sich die Form des Mobbings in den letzten Jahren bei der Polizei verändert/verschlimmert. Das ist bundesweit zu erkennen. Wir, die Polizei, beschäftigen uns seit einigen Jahren so viel mit uns selbst, dass dadurch die Effizienz der Arbeit tatsächlich gefährdet ist. Mobbing bei der Polizei nimmt mehr und mehr Formen an, durch die letztendlich sogar die innere Sicherheit gefährdet ist. Aber das will und wird niemand zugeben wollen. Das ist auch der Grund, warum alle Politiker Mobbing nach außen hin zwar strickt verurteilen und es in ihren eigenen Reihen aber vehement bestreiten.
Wenn ich den Kommentar des stellvert. Landespolizeipräsiden von Hessen in Ihrer Sendung vom 13.01.2010 als Beispiel nehmen soll, so ist dieser schlichtweg gelogen und unverschämt. Die von der Polizei angepriesenen „Hilfeangebote“ sind einfach nur „zahnlose Tiger“ im Kampf gegen Mobbing. Im Gegenteil, sie werden sogar noch benutzt um herauszubekommen, was denn die Kollegin/der Kollege tatsächlich gegen die Mobber auf der Pfanne hat um sie/ihn dann endgültig „abschießen“ zu können. Die von ihm erwähnten Mobbingseminare für Führungskräfte sind eine vier oder fünfstündige lächerliche Veranstaltung, die die Ausmaße und Folgen von Mobbing nur streifen und bisher noch keinen Erfolg gezeigt haben, wonach Mobbing weniger wurde. Die größte Unverschämtheit aber war seine Äußerung, und all diese Maßnahmen müsse letztendlich ja auch der Steuerzahler noch berappen.
Ich kann nur hoffen, dass Sie am Ball bleiben. Meine (unsere Idee) zur Eindämmung von Mobbing bei der Polizei wäre, ähnlich den Datenschutzbeauftragten bei den Innenministerien völlig unabhängige Mobbingbeauftragte ein zu setzten, die auch mit den nötigen Befugnissen ausgestattet sind, Mobber zu ermitteln und auch für Sanktionen sorgen können. Wenn die ersten Mobber dementsprechend sanktioniert wurden, werden sich zukünftig viele Bosser und Mobber überlegen, ob sich das noch lohnt. Mit freundlich Grüßen, Jürgen Lanuschny
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