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Beiträge zum Thema Mobbing
20.06.2010 Hallo Leute, ich habe das Forum "bereinigt". Ich galube, es wurde langsam zu unübersichtlich. Die letzten 10 Beiträge sind hier noch sicht- und weiterhin kommentierbar. Die 22 ersten Beiträge habe unter dem Link "Alte Beiträge aus dem Forum" abgelegt. Es geht also kein Kommentar verloren!
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Ich will helfen, aber keinen Pranger ins Netz stellen.
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Suizid bei der Polizei, ein Tabuthema?
Ich weiß, ich begebe mich jetzt auf ein ganz heißes Pflaster und packe ein sehr heikles Thema an.
Suizide bei der Polizei!
Der Suizid der 35jährigen Kollegin in Düsseldorf am 08.02.2010 hatte in diesem Forum einige Teilnehmer dazu gebracht, sich zu dem Fall zu äußern. Inwieweit die Kommentare authentisch sind, können wir natürlich nicht prüfen, nur ob sie schlüssig zu sein scheinen. Ich habe lange überlegt und mit mir gekämpft, ob ich das Thema öffentlich machen solle. Andererseits müssen gerade wir, selbst Opfer von Mobbing, dieses Thema nicht unter den Tisch kehren. Darin sind unsere Polizeiführer schon ziemlich erfolgreich. Außerdem ist es vielleicht besser, wir beschäftigen uns öffentlich mit dem Thema, denn dann haben auch mehr Leser und Teilnehmer der Seite die Möglichkeit, auf eventuell unwahre Kommentare zu reagieren. Auch wenn ich sicher davon ausgehe, dass es wohl kaum jemand wagen wird, wenn es um Suizide von Polizistinnen und Polizisten geht, zu polemisieren oder Angehörige zu diffamieren.
Die Belastungen für die Hinterbliebenen, Freunde, Kolleginnen und Kollegen der Opfer sind schon groß genug, warum also noch in ihren Wunden herum stochern? Ich will versuchen meinen Entschluss zu erklären und möchte vorab schon an alle appellieren, die eventuell mal zu diesem Thema etwas beitragen wollen:
Bitte nehmt Rücksicht auf die Angehörigen der Opfer!
„Jährlich mehr als fünfzig Polizistinnen und Polizisten töten sich selbst, meist mit der eigenen Waffe und häufig auf der Dienststelle. Was bleibt, sind Trauer, Schuldgefühle und bleiernes Schweigen. Experten fordern seit langem, das Schweigen zu brechen. Die hessische Polizei gab inzwischen ein Faltblatt mit Tipps und Adressen für alle Polizeibeschäftigten heraus. In Niedersachsen helfen Beraterinnen und Berater bereits im Vorfeld von Krisen. Bundesweit arbeiten Fachleute an neuen Hilfsangeboten.“
Zu den mutmaßlichen Motiven wird hier u. a. ausgeführt:
„Als Auslöser wurden vor allem familiäre Belastungssituationen wie Scheidungen und Partnerkonflikte genannt, nur in sieben Prozent der Fälle dienstliche Anlässe. Die Motive bleiben allerdings spekulativ, stützt sich die Untersuchung doch auf die schriftlichen Angaben von Sachbearbeitern, die nur begrenzt Einsicht in die Fallgeschichten hatten.“
Richtig, Suizid bei der Polizei ist ein Tabuthema, aber warum eigentlich? Klar, „man sollte so wenig darüber berichten wie möglich oder nötig, um den Schmerz der Hinterbliebenen nicht noch zu vergrößern“, ist ein triftiger Grund. Tun wir damit aber nicht gerade denen einen Gefallen, die gar nicht möchten, dass die Ursachen tatsächlich in die Öffentlichkeit gelangen? Ist das vielleicht eine Vertuschungstaktik und die „so offenkundige“ Fürsorge für die Hinterbliebenen nicht nur Heuchelei? Ich kann die Frage nicht beantworten. Da ich selbst aber schon vor meiner Dienstwaffe saß, es war im August/September 2005, kann ich von mir sagen, diese Überlegung zum möglichen Suizid kam nicht aus privaten Problemen heraus. Ganz im Gegenteil, der Gedanke an meine Familie ließ mich das Vorhaben ganz ganz schnell wieder verwerfen. Ich habe mich also nicht direkt umgebracht, dafür aber fast mit der zweiten dummen Lösung, mit dem Alkohol. Wenn sich 50 Polizistinnen und Polizisten jährlich selbst suizidieren, wie viele greifen dann wohl zu dieser zweiten dummen Möglichkeit oder einer Dritten, den Tabletten? Was ist dann die Folge? Klar, private Probleme!!!!
Ich habe mich jetzt schon mit vielen Kolleginnen und Kollegen über dieses Thema ausgetauscht, nach fast jedem Suizid, der bekannt wurde, und ich glaube, folgendes Fazit daraus ziehen zu können:
- Bei der Presseberichtserstattung fällt immer wieder auf, dass Pressesprecher der Polizei und Polizeiführer in fast allen Fällen immer wieder die gleichen Kommentare abgeben, und zwar kurz nach Bekanntwerden des Suizids und noch lange bevor Ermittlungen tatsächlich wirksam wurden, geschweige denn abgeschlossen waren:
„Die Ursachen liegen ausschließlich im privaten Bereich der Kolleginn/des Kollegen.“ Später, also nach Abschluss der Ermittlungen, liest man quasi nie wieder etwas davon, außer Angehörige wehren sich gegen diese stereotypen Aussagen.
- Was sind „private Probleme“, die zu Suiziden führen?
Viele von uns hatten schon private Probleme und häufig sind dienstliche Probleme die Auslöser dafür. Seien es unwirtliche Arbeitszeiten, verständnislose Vorgesetzte für die privaten Probleme der Beamtinnen und Beamten, der Frust, der vom Dienst ins Privatleben getragen wird, Krankheitsbilder, die die Folgen aus dienstlichen Unzulänglichkeiten bis hin zu Mobbinghandlungen entstanden sind. Die dadurch und oft auch durch Alkohol,Tabletten oder Drogen entstandenen privaten Probleme sind dann nur das Tröpfchen, das das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Also sehr häufig sind es private Probleme, deren Ursachen aber dienstlicher Natur entsprangen.
- Stress und Überforderung von Beamtinnen und Beamten, posttraumatische Folgen von Erlebnissen, die nicht verarbeitet werden konnten und deren Symptome von Vorgesetzten nicht bemerkt oder gar missachtet wurden, können Gründe sein und
- die Ausweglosigkeit gemobbter Schutzfrauen und –männer, denen nicht geholfen wurde, nein, auf die man sogar noch immer und immer weiter eingeprügelt hatte. Wie auch immer das Mobbing im Einzelfall ausgesehen haben mag.
- Eine der schlimmsten Ursachen aber ist die Einsamkeit, die dadurch entsteht. Hilflosigkeit, denn keiner ist da, mit dem man sprechen kann, der Verständnis hat. Wo sind die Kolleginnen und Kollegen, gerade bei Mobbingopfern, die doch auch alle über dies oder das geschimpft hatten und von denen man geglaubt hatte, sie seien gleicher Meinung und würden zu einem stehen?
Vielleicht noch der Versuch, mit Vorgesetzten zu sprechen, Personalräte oder Gewerkschaftsvertreter für sich zu mobilisieren, aber was muss man feststellen? Der eine spielt die ganze Angelegenheit herunter: „Ist doch nicht so schlimm, Sie werden schon damit fertig werden. Überlegen Sie mal, haben Sie nicht selbst auch ein bisschen Schuld an Ihrer Situation?“ Der andere beruft sich auf ein Wort, das ich schon nicht mehr hören kann: „Friedenspflicht!“ Der Dritte verweist auf Hilfsangebote!?!? Ich kenne kaum, eigentlich keine, Kolleginnen oder Kollegen, denen solche zuteilwurden, die auch tatsächlich gegriffen hätten. Schöne Worte gibt es viele, gerade bei Politikern und Polizeiführern, zu solchen „Hilfsangeboten“, positives habe ICH bisher nur sehr selten darüber gehört.
Natürlich wird es auch rein private Ursachen bei einigen Suiziden gegeben haben, aber die in jedem Fall regelmäßig wiederkehrenden vorschnellen Darstellungen der jeweiligen Polizeiführung, es seien rein private Gründe als Ursachen an zu nehmen oder gar schon belegt, sind mit Sicherheit in den meisten Fällen reine Schutzbehauptungen, um mögliche Versäumnisse oder Verfehlungen der eigenen Führungskräfte prophylaktisch zu „übertünchen“ oder in einigen Fällen wohl gar zu vertuschen.
Wir sind alle Schutzleute und wir sind es gewohnt, an Tatorten nach den Ursachen zu forschen. Wie hieß es noch. „Die meisten Kolleginnen und Kollegen richten sich mit der Dienstwaffe und dabei meistens sogar auf der Dienststelle hin!“
Warum, was wollen sie uns damit sagen?
Fast jede Polizistin, jeder Polizist hat die Möglichkeit, ihre/seine Dienstwaffe mit nach Hause zu nehmen. Wenn nicht legal, ist es kein Problem dies auch illegal zu tun. Zu behaupten, weil sie halt leichter an Waffen heran kommen und oft eben nur auf den Dienststellen, ist mir zu einfach. Wie gesagt, ich saß schon vor meiner Waffe und ich weiß, wie viel Angst man vor dem Schritt hat, es zu tun. Ich glaube viele von uns, wenn nicht gar jeder, hat schon mitbekommen, auf welchem Weg auch immer, wie leicht man dabei was falsch machen kann. Die Folgen wären wahrlich nicht nur peinlich. Die meisten von uns wissen auch, dass und wie es einfacher und schmerzloser geht.
Also noch mal, was will uns die Kollegin/der Kollege damit sagen?
Wir sind alle keine Psychologen und selbst die sind sich in der Frage nicht einig. Wir, die sich darüber schon ausgetauscht haben, und das sind immerhin Schutzleute, ob mit, ob ohne Uniform, sind uns einig darüber, dass uns damit ein Zeichen gegeben werden soll. So, wie in vielen anderen Fällen bei Suizidenten, die oft vorab den geplanten Suizid bei denen angekündigt haben, die man damit treffen will bzw. die man als ursächlich für seine Probleme ansieht, geben uns diese Kolleginnen und Kollegen ein ähnliches Zeichen:
Die Ursachen sind im Dienst zu suchen und „seht her (Mobber oder Peiniger), soweit habt ihr mich gebracht!!!“.
Ich bitte alle Leser dieses Forums, insbesondere Freunde und Hinterbliebene, falls Sie diese Zeilen lesen, teilt uns mit, teilen Sie uns mit, ob dieses Thema ein Tabu bleiben soll, es weiter unter den Tisch gekehrt werden soll oder ob es nicht besser ist, darüber zu reden und seine Erfahrungen darüber preis zu geben und aus zu tauschen. Vielleicht, wenn nur einer Kollegin, einem Kollegen, die/der auch einen solchen Vorsatz hat, damit geholfen werden könnte, darüber zu reden und so von dem Vorhaben ab zu kommen, hätte sich diese Seite schon mehr gelohnt, als alle Sanktionen gegen etwaige Verursacher!
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Was könnte man tun, um Mobbingopfern effektive Hilfe leisten zu können?
Statistiken zeigen nur zu deutlich, wie viele Arbeitnehmer aller Berufsgruppen an psychischen und oft daraus entstehenden physischen Krankheiten leiden. Dafür müssen Krankenkassen Kosten in dreistelliger Millionenhöhe, wenn nicht gar in Milliardenhöhe, jährlich aufbringen.
Eine der Hauptursachen ist Mobbing am Arbeitsplatz.
Insbesondere für Mobbing sind häufig Arbeitgeber ursächlich, die sich „keinen Deut darum scheren“, wie es ihren Arbeitnehmern geht, ja Mobbing teilweise sogar selbst als Mittel einsetzten, um Personal los zu werden. Da wir uns hauptsächlich um Polizeiangehörige der Länder und des Bundes kümmern, kann ich leider nur bestätigen, dass diese „Verfahrensweisen“ auch dort nicht unüblich sind. Einzelheiten über solche „Taktiken“ könnt ihr verschiedenen Homepages und der Presse entnehmen. Ich möchte hier darauf nicht näher eingehen.
Erst im April 2011 hat der Petitionsausschuss des Bundestages die Eingaben mehrerer Antragssteller auf ein „Antimobbinggesetz“ bzw. einen Strafparagraphen gegen Mobbing für Deutschland abgelehnt.
Auf der Homepage von Klaus-Dieter May (www.mobbing-web.de ) unter dem Link http://www.mobbing-checker.de/downloads/keinantimobbinggesetzindeutschland.pdf könnt ihr die Begründung des Ausschusses nachlesen. Es wird wieder auf gültige Rechtsnormen, Freiwilligkeit und Prävention gesetzt, obwohl die Mobbingopfer jährlich ständig zunehmen.
Klar, bis ein solches „brandneues“ Gesetz durch Gerichtsurteile praktisch anwendbar wäre, könnten noch Jahre vergehen. Trotzdem würde es zu einer gewissen Rechtssicherheit beitragen und Arbeitgebern „handfeste Gründe“ für die „Freiwilligkeit“ von Hilfestellungen bei Mobbing, die in der Praxis eben kaum funktionieren, liefern.
Nun haben die Politiker ihre Chance vertan und wir alle müssen uns etwas anderes einfallen lassen, um allen Mobbingopfern wirksam zu helfen.
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